Radioaktivität begegnet uns nicht nur in Kernkraftwerken oder der Medizin. Tatsächlich gab und gibt es zahlreiche Alltagsgegenstände, die kleine Mengen radioaktiver Stoffe enthalten. Dazu gehören Uranglas, thoriumhaltige Glühstrümpfe und tritiumhaltige Leuchtkörper.
Obwohl diese Gegenstände oft erstaunlich harmlos wirken, lohnt sich ein genauer Blick auf ihre Funktionsweise und den richtigen Umgang damit.
Uranglas – Das grün leuchtende Glas
Bereits im 19. Jahrhundert entdeckten Glasmacher, dass geringe Mengen Uranverbindungen Glas intensiv gelb, grün oder türkis färben können. Besonders spektakulär wird Uranglas unter ultraviolettem Licht: Es beginnt in einem leuchtenden Grün zu fluoreszieren.
Wofür wurde Uranglas verwendet?
Uranglas wurde unter anderem hergestellt als:
- Trinkgläser
- Vasen
- Schmuck
- Schalen
- Knöpfe
- dekorative Kunstgegenstände
Heute ist es vor allem bei Sammlern beliebt.
Ist Uranglas gefährlich?
In der Regel nein.
Die meisten Urangläser enthalten nur wenige Prozent Uranoxid. Dadurch ist ihre Radioaktivität relativ gering. Zusätzlich hält das Glas einen Großteil der ausgesandten Alpha- und Beta-Strahlung zurück. Außerhalb des Glases lässt sich meist nur eine geringe Gamma-Strahlung messen.
Für Sammler und Museumsbesucher besteht daher bei normalem Umgang praktisch keine gesundheitliche Gefährdung.
Hinweise zum Umgang
- Uranglas ist ausschließlich als Sammlerstück oder Dekorationsobjekt zu betrachten.
- Beschädigte oder zerbrochene Stücke sollten vorsichtig aufgenommen werden, da Glasstaub vermieden werden sollte.
- Das Glas sollte nicht bearbeitet, geschliffen oder pulverisiert werden.
- Kinder sollten nicht mit Uranglas spielen.
Thoriumhaltige Glühstrümpfe – Helles Licht beim Camping
Vor der Einführung moderner LED-Lampen waren Gaslampen weit verbreitet. Ihr helles Licht entstand durch sogenannte Glühstrümpfe, die früher häufig mit Thoriumoxid beschichtet wurden.
Beim Betrieb verbrennt das Gewebe des Glühstrumpfs. Zurück bleibt ein feines Gerüst aus Thoriumoxid, das durch die Gasflamme zum Weißglühen gebracht wird und ein sehr helles Licht erzeugt.
Warum gerade Thorium?
Thoriumoxid besitzt einen sehr hohen Schmelzpunkt und strahlt im glühenden Zustand besonders effizient sichtbares Licht ab. Dadurch waren thoriumhaltige Glühstrümpfe über viele Jahrzehnte der Standard für Camping- und Petroleumlampen.
Ist Thorium gefährlich?
Solange der Glühstrumpf unbeschädigt bleibt, geht von ihm nur eine geringe Strahlenbelastung aus.
Problematisch wird es jedoch, wenn der Glühstrumpf zerbricht oder zerfällt. Dabei kann thoriumhaltiger Staub freigesetzt werden. Wird dieser eingeatmet, gelangt das radioaktive Material direkt in den Körper.
Das Einatmen von Staub stellt daher das eigentliche Risiko dar – nicht die äußere Strahlung.
Hinweise zum Umgang
- Glühstrümpfe möglichst vorsichtig behandeln.
- Beschädigte Glühstrümpfe nicht ausschütteln oder ausblasen.
- Entstehenden Staub nicht einatmen.
- Beim Wechseln möglichst im Freien arbeiten.
- Nach dem Austausch die Hände waschen.
Heute werden überwiegend thoriumfreie Glühstrümpfe angeboten.
Tritiumhaltige Leuchtkörper – Licht ganz ohne Batterie
Tritium ist ein radioaktives Isotop des Wasserstoffs. Es sendet sehr energiearme Beta-Strahlung aus.
In sogenannten Tritium-Leuchtkörpern befindet sich Tritiumgas in winzigen Glasröhrchen. Die Innenseite der Röhrchen ist mit einem Leuchtstoff beschichtet.
Die Beta-Strahlung regt den Leuchtstoff kontinuierlich zum Leuchten an – ganz ohne Stromversorgung.
Wo werden Tritium-Leuchtkörper eingesetzt?
Sie finden sich unter anderem in:
- Notausgangsmarkierungen
- Kompassen
- Uhren
- Schlüsselanhängern
- Visieren und Zielhilfen
- Messinstrumenten
Da Tritium ohne Batterie leuchtet, eignen sich diese Leuchtkörper besonders für Anwendungen, bei denen über viele Jahre eine zuverlässige Lichtquelle benötigt wird.
Ist Tritium gefährlich?
Das Tritiumgas befindet sich vollständig eingeschlossen in den Glasröhrchen.
Die ausgesandten Beta-Teilchen besitzen eine so geringe Energie, dass sie die Glaswand nicht durchdringen können. Bereits wenige Millimeter Luft reichen aus, um sie vollständig abzuschirmen.
Solange das Glasröhrchen unbeschädigt bleibt, besteht deshalb praktisch keine Strahlengefährdung.
Wird das Röhrchen jedoch zerbrochen, kann das Tritiumgas entweichen. Aufgrund der in solchen Leuchtkörpern enthaltenen kleinen Mengen ist das Risiko zwar gering, dennoch sollte der Raum anschließend gut gelüftet werden.
Hinweise zum Umgang
- Glasröhrchen nicht beschädigen.
- Nicht erhitzen oder öffnen.
- Zerbrochene Röhrchen nicht weiter verwenden.
- Raum nach einem Bruch gut lüften und Glasreste vorsichtig aufnehmen.
Wie gefährlich sind diese Gegenstände?
Die Begriffe „radioaktiv“ und „gefährlich“ werden häufig gleichgesetzt. Tatsächlich hängt das Risiko jedoch von mehreren Faktoren ab:
- Welche Art von Strahlung wird ausgesendet?
- Wie hoch ist die Aktivität?
- Befindet sich der radioaktive Stoff außerhalb oder innerhalb des Körpers?
- Wie lange dauert die Exposition?
Uranglas, thoriumhaltige Glühstrümpfe und Tritium-Leuchtkörper enthalten zwar radioaktive Stoffe, ihre Aktivität ist jedoch vergleichsweise gering und sie sind für ihren jeweiligen Verwendungszweck so konstruiert, dass bei sachgemäßem Umgang nur eine sehr geringe Strahlenbelastung entsteht.
Fazit
Historische Alltagsgegenstände mit radioaktiven Stoffen zeigen eindrucksvoll, wie vielseitig Radioaktivität genutzt werden kann. Uranglas begeistert durch seine fluoreszierenden Farben, Thorium machte Gaslampen besonders hell und Tritium sorgt bis heute für dauerhaft leuchtende Anzeigen ohne Stromversorgung.
Bei sachgemäßem Umgang stellen diese Gegenstände im Allgemeinen nur ein geringes Risiko dar. Entscheidend ist, Beschädigungen zu vermeiden, entstehenden Staub nicht einzuatmen und radioaktive Materialien niemals eigenmächtig zu bearbeiten. So lassen sich diese faszinierenden Beispiele aus Wissenschaft und Technik sicher sammeln, ausstellen und im Unterricht einsetzen.